Glofisch
Ein gentechnisch
veränderter Zebrabärbling
(Danio rerio alte Gattungszuordnung
Brachydanio)
Dipl. Biol. Michael Proniuk
Der
Zebrabärbling wird schon lange in Aquarien gehalten und es dürfte kaum einen
Aquarianer geben der den lebhaften Schwarmfisch nicht kennt. Trotzdem zur
Orientierung die wichtigsten Eckdaten vorab.
Das
natürliche Biotop des Zebrabärblings sind klare schnellfließende Bäche in
Pakistan, Indien, Bangladesch und Nepal.
Er
wird bis 6 cm lang. Das Becken sollte 80 cm lang und hell ausgeleuchtet sein.
Bevorzugt hält sich der Zebrabärbling im mittleren bis oberen Bereich auf.
Entsprechend der natürlichen Herkunft kann auch das Becken mit kräftiger
Strömung versehen werden. Füttern kann man den Zebrabärbling mit kleinem
Trocken- und Lebendfutter.
Auf
den Glofish stieß ich nun durch einen Artikel in der Tageszeitung, wo berichtet
wurde, dass es einen gentechnisch veränderten Zebrafisch gäbe, auf den man ein
Gen von Meereskorallen übertragen hat. Dadurch fluoreszieren die Fische.
Da
ich mit der Bezeichnung Zebrafisch nichts anfangen konnte wollte ich mehr
wissen. Eine Internetrecherche ergab folgendes: Offensichtlich gib es zwei
Forschergruppen eine in Taiwan und eine in Singapur, die gentechnisch
veränderte Zebrabärblinge erzeugt haben. Die aus Taiwan leuchten grün, die aus
Singapur rot. Ursprünglich wurden sie dazu gezüchtet auf Verschmutzungen von
Trinkwasser zu reagieren. Bei Auftreten bestimmter Verunreinigungen im Wasser
sollten sie zu fluoreszieren beginnen, sodass Wasserwerker ein empfindliches
Warnsystem haben.
Die
Gene der Meereskorallen die für das Fluoreszieren verantwortlich sind, wurden
aus Korallen isoliert und in noch nicht befruchtete Eier von Zebrabärblingen
injiziert. In einem Teil der Eier wurden diese Gene in das Genom übernommen.
Damit sind sie vererbbar geworden. Das heißt die Nachkommen der rot leuchtenden
Zebrabärblinge sind auch alle rot leuchtend.
Auf
der Homepage www.glofish.com finden
sich Empfehlungen, wie die Fische zu präsentieren sind: „Der Effekt der
Fluoreszenz tritt besonders deutlich auf, wenn die Fische mit UV-Licht in einem
dunkel gehaltenen Aquarium bestrahlt werden.“ Diejenigen, die an der
Vereinsfahrt in den Aquazoo nach Düsseldorf teilgenommen haben werden sich an
die blau fluoreszierenden Quallen erinnern. Der Effekt bei den Zebrabärblingen
wird ähnlich sein.
Ein
Amerikaner, Alan Blake, der von diesen Forschungen hörte und als 10-jähriger
mal ein Aquarium besaß, hatte dann die Idee die gentechnisch veränderten
Zebrabärblinge kommerziell zu nutzen. Er machte Verträge mit dem Singapurer
Forscher Gong Zhiyuan, beantragte die entsprechende Patente in den USA und
begann mit der Zucht und Vermarktung der Fische. Kalifornien hat als einziger
Bundesstaat in den USA die Einfuhr der Fische verboten.
Der
Käufer von den gentechnisch veränderten Fischen, hat einen ähnlichen Status wie
jemand, der sich eine Musik-CD kauft. Er kann das Produkt für sich nutzen, darf
es aber nicht vervielfältigen. Eine Nachzucht der Zebrabärblinge ist nicht
erlaubt. Weiterhin legen die Lizenzbestimmungen fest, dass der Fisch nicht
außer Landes, bzw. nicht nach Kalifornien gebracht werden darf. Der Name
Glofish ist eine in den USA gesetzlich geschützte Handelsmarke.
Die
Entwicklungskosten für den rot leuchtenden Zebrabärbling betrugen 2,9 Mio. $.
Offizieller Verkaufsstart in den USA war der 4. Januar 2004. Der Verkaufspreis
soll bei ca. 5 $ liegen. Es überraschen die Dimensionen an Fischen, die
abgesetzt werden sollen. Allein in Kalifornien, das jetzt aber den Verkauf und
die Einfuhr verboten hat, wollte Blake jährlich 2 Millionen Fische verkaufen.
Da er die Fische ausschließlich in den USA züchtet, muss er über riesige
Zuchtanlagen verfügen.
Kalifornien
hat die Einfuhr der Fische verboten, da es darin einen Missbrauch in der
Achtung vor dem Leben sieht. Der Hersteller sieht keine ethischen oder
moralischen Probleme, da in den USA der Fisch nicht natürlich vorkommt und sich
bis jetzt auch noch keine Wildpopulationen bilden konnten. Die gentechnisch
veränderten Zebrabärblinge verhielten sich auch nicht anders als ihre
gezüchteten Artgenossen. Außerdem würden Teile von den Verkaufserlösen dem
Forschungslabor zur Verfügung gestellt, sodass weitere Forschung finanziert
würden könnte.
Ich
denke hier muss dem Hersteller aus mehreren Gründen entschieden widersprochen
werden. Erstens werden mit Sicherheit Zebrabärblinge in andere Länder gelangen,
darunter auch nach Indien wo sie natürlich vorkommen. Was passieren wird ist
nicht einzuschätzen. Im schlimmsten Fall ist eine Verdrängung der
Wildpopulation denkbar. Beispiele für die Vermischung von Wild- mit
Zuchtpopulationen bieten Sojabohnen und Wildlachse. Gentechnisch veränderte
Sojabohnen haben durch Pollenflug, ihre Gene mit nicht gentechnisch veränderten
Sojabohnen vermengt, sodass es kaum noch, nicht mehr gentechnisch veränderte
Sojabohnen gibt. Die norwegischen Wildlachspopulationen vermischen sich mit
entkommenen Zuchtlachsen. Ein bekanntes Beispiel für die dramatischen Folgen
der Freilassung einer Art in einem ungeeigneten Biotop sind die Kaninchen in
Australien, die den ganzen Kontinent leergefressen haben. Ob die
fluoreszierenden Zebrabärblinge eventuell noch andere neue Eigenschaften haben
lässt sich nur durch Aquarienhaltung nicht beurteilen und dadurch auch die
Folgen für die Natur nicht abschätzen.
Die
Befürworter der Gentechnik behaupten immer, dass Gentechnik nichts anderes ist
als beschleunigte Zucht. Für sie gibt es deshalb keine ethischen Bedenken. Ich
sehe schon einen deutlich Unterschied, den ob fluoreszierende Zebrabärblinge
durch Zucht je erreicht worden wären, ist zu bezweifeln. Für mich ist das ein
Beispiel für den Missbrauch der technischen Möglichkeiten, die mittlerweile zur
Verfügung stehen. Das Tier für spektakuläre fluoreszierende Effekte im
Wohnzimmer einzusetzen ist für mich ein Missbrauch.
Die
Herausforderung der Aquaristik sehe ich genau anders herum als die
Tier-Designer, nämlich dem Fisch einen optimalen Lebensraum im Aquarium zu
schaffen und wenn möglich auch zu vermehren.
Es bleibt zu hoffen das dass erste gentechnische veränderte Haustier das letzte bleibt und nicht in breiten Bevölkerungsschichten der Wunsch entsteht sich ein den Wohnbedürfnissen entsprechendes Haustier designen zu lassen. Wenn das Projekt wirtschaftlich nicht erfolgreich ist, wird es keine Fortsetzung geben.